LCI Monthly – Was den August 2026 prägte
Amerikas Konsummotor läuft auf einer wohlhabenden, marktabhängigen Minderheit
Das Wachstum der US-Wirtschaft hängt ungewöhnlich stark von den Ausgaben einer wohlhabenden Minderheit ab, deren Konsum weniger den Löhnen als den Finanzmärkten folgt. Der private Konsum macht rund zwei Drittel des amerikanischen Bruttoinlandprodukts aus, und 2026 entfallen davon rund 60 % auf das reichste Fünftel der Haushalte, nach knapp der Hälfte in den 1990er Jahren, wie Berechnungen von Mark Zandi, Chefökonom von Moody's Analytics, zeigen. Die Ausgaben der Spitzenverdiener stiegen zwischen Anfang 2023 und Mitte 2026 um 13 % und damit weit stärker als jene der unteren Einkommensgruppen. Treiber ist nicht der Lohn, sondern der Vermögensbesitz: Das oberste Fünftel hält rund 90 % aller Unternehmensaktien, direkt oder über Fonds, und bis 2026 ist das Haushaltsvermögen auf etwa das Achtfache des Einkommens gestiegen, verglichen mit weniger als dem Sechsfachen nach der globalen Finanzkrise. Strategen von Nuveen und der Bank of America sprechen von einer strukturellen Verschiebung, die das amerikanische Wachstum anfälliger für Ausschläge an den Finanzmärkten macht. Am anderen Ende der Verteilung fiel die Sparquote der Haushalte 2026 auf ein Rekordtief von 2,6 % des verfügbaren Einkommens, und die Quote der über neunzig Tage überfälligen Kredite im Deep-Subprime-Segment kletterte über 13 %, den schlechtesten Wert seit der Finanzkrise. Untersuchungen der Federal Reserve Bank of Boston legen nahe, dass ein Anstieg der Kreditkartenzinsen um einen Prozentpunkt die Ausgaben ärmerer Haushalte um knapp 9 % senkt. Die straffe Geldpolitik und das Steuergesetz von 2025 haben die Kluft eher verstärkt als verringert.
Quelle: Der US-Konsum birgt ein riesiges Klumpenrisiko, Finanz und Wirtschaft, 7. August 2026
Ein schrumpfender US-Arbeitsmarkt schwächt die Argumente für höhere Zinsen
Die US-Wirtschaft hat im Juli 2026 23'000 Stellen verloren, wie die am 7. August veröffentlichten Daten des Bureau of Labor Statistics zeigen, während Prognosen von rund 80'000 zusätzlichen Stellen ausgegangen waren. Die Vormonate wurden um rund 100'000 Stellen nach unten revidiert. Es ist der vierte Monat in Folge mit nachlassender Stellenschaffung, und dies drei Monate vor den Zwischenwahlen vom November 2026. Der Lohnabrechner ADP zeichnet ein ähnliches Bild: Im Juli zählte er lediglich 44'000 zusätzliche Stellen, den schwächsten Wert seit Januar 2026. Das Gastgewerbe, dem von der am 19. Juli zu Ende gegangenen Fussball-Weltmeisterschaft breit Rückenwind zugetraut worden war, baute im Juli stattdessen 40'000 Stellen ab, nach 43'000 im Juni. Das Gesundheitswesen, in den Vormonaten der stärkste Motor der amerikanischen Beschäftigung, schuf 23'000 Stellen und damit halb so viele wie im Juni, während Zuwächse im Bau und in der Industrie durch einen Rückgang um 53'000 Stellen in der öffentlichen Verwaltung aufgezehrt wurden. Netto blieb der Stellenaufbau positiv: Zwischen Januar und Juli 2026 lag er im Schnitt über 50'000 pro Monat, und die Arbeitslosenquote sank von 4,2 % im Juni auf 4,1 %, weil das Arbeitskräfteangebot schrumpfte. Nachdem Fed-Chef Kevin Warsh die Forward Guidance ausgesetzt hat, bleibt den Märkten nur die eigene Lektüre der Daten: Nach der Publikation vom 7. August preisten Zinsfutures eine Wahrscheinlichkeit von weniger als 50 % für einen Schritt auf ein Band von 3,75 bis 4 % an der September-Sitzung der US-Notenbank Fed ein. Die amerikanischen Aktien legten auf die Nachricht hin zu.
Quelle: Heimvorteil am US-Arbeitsmarkt sieht anders aus, Finanz und Wirtschaft, 7. August 2026
Warshs Fed nähert sich einer Zinserhöhung, weil die Teuerung über dem Ziel verharrt
Die US-Konsumentenpreise sind im Juli 2026 weitgehend im Rahmen der Prognosen gestiegen, ein seltener Moment der Berechenbarkeit nach Jahren voller Inflationsüberraschungen. Die Gesamtteuerung blieb über 3 %, gedrückt von nachgebenden Dienstleistungs- und Energiepreisen, während sämtliche viel beachteten Messgrössen der zugrunde liegenden Teuerung zurückgingen: der getrimmte Mittelwert, der Median, ein Index der trägen Preise sowie die von der US-Notenbank Fed bevorzugte Supercore-Rate der Dienstleistungen ohne Wohnkosten. Sie alle liegen indes weiterhin über 2,5 %, wo sie seit der Pandemie verharren, ein klarer Bruch mit den Werten unter dem Zielwert im Jahrzehnt vor Covid. Da der Arbeitsmarkt als voll ausgelastet gilt, sehen Ökonomen keinen Anlass für Zinssenkungen. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh, dem Ziel von 2 % verpflichtet, gerät zunehmend unter Handlungsdruck; die freundlichen Juli-Daten dürften ihm allerdings erlauben, an der September-Sitzung der US-Notenbank Fed stillzuhalten, bevor später im Jahr 2026 die breit erwartete einzelne Zinserhöhung folgt. Eine Kuriosität sticht hervor: Nach einer Generation stetig billiger werdender Technik sinken die Softwarepreise nicht mehr, was die Inflationsprognose zusätzlich erschwert.
Quelle: Chronicle of a Hike Foretold, John Authers, Bloomberg, 13. August 2026
Die Schweizer Debatte um das UBS-Kapital hängt an einer Anleihe, die kaum je wandelt
Die parlamentarische Debatte über schärfere Eigenmittelanforderungen für die UBS dreht sich um die Frage, ob Additional-Tier-1-Anleihen echtes Eigenkapital ersetzen können. Corinne Zellweger-Gutknecht, Professorin für Privat- und Handelsrecht an der Universität Basel und Sachverständige der parlamentarischen Untersuchung zum Untergang der Credit Suisse, verneint dies. Ihr Einwand ist mechanischer Natur: AT1-Instrumente wandeln erst, wenn eine Bank als nicht mehr überlebensfähig eingestuft wird oder das harte Kernkapital unter 7 % fällt. Im August 2026 beträgt die Going-Concern-Anforderung für die UBS jedoch 10,63 %, und die Bank weist 14,4 % aus. Der Auslöser würde realistischerweise nie erreicht. Sie warnt zudem, dass die UBS-Muttergesellschaft ausländische Tochtergesellschaften, den grössten Teil der Investmentbank, das Konzern-Treasury und ein umfangreiches Auslandkundengeschäft in einer einzigen Rechtseinheit bündelt, ein Spiegelbild jener Struktur, die eine geordnete Abwicklung der Credit Suisse verunmöglichte. Weil die ausländischen Beteiligungen nur zu 45 % mit Eigenkapital unterlegt sind, zehrt dort jeder Dollar an Abschreibung Kapital auf, das andere Risiken decken soll, womit ein Notverkauf rasch undurchführbar wird. Gegen den Vorschlag einer Gruppe von Ständeräten, die Hälfte dieser Beteiligungen mit AT1 zu finanzieren, haben sie und ihr Basler Kollege Yvan Lengwiler eine gestaffelte Alternative eingereicht: Coupons, Dividenden und Boni werden gestoppt, sobald die Going-Concern-Schwelle unterschritten wird, gefolgt nach sechs Monaten von einer Wandlung in Aktien und einer zwingenden Kapitalerhöhung. Sie würde AT1 auf 20 % begrenzen und erwartet einen Ausgang von 80 zu 20, oder eine Volksabstimmung.
Die Einschätzung von La Côte Invest: Der Ausgang prägt das Kredit- und Aktienprofil der einzigen verbliebenen global tätigen Schweizer Bank. Halter von Schweizer AT1-Papieren sollten davon ausgehen, dass die Bedingungen, unter denen diese Instrumente Verluste tragen, eine offene rechtliche und politische Frage bleiben.
Quelle: Führende Bankenprofessorin warnt das Parlament vor Verwässerung der UBS-Vorlage, Neue Zürcher Zeitung, 15. August 2026
Die Anleihenmärkte rücken die Fiskalpolitik zurück ins Zentrum der globalen Preisbildung
Die Renditen langlaufender Staatsanleihen in den Industrieländern erreichten am 18. August 2026 die höchsten Stände seit Jahrzehnten, weil die Anleger eine höhere Entschädigung für die Verschlechterung der Staatsfinanzen und für die Inflationsunsicherheit verlangten. Dreissigjährige US-Treasuries rentierten im Verlauf jener Sitzung so hoch wie zuletzt 2007, während der Ölpreis wieder über 90 Dollar je Fass stieg und die Aussichten auf eine Einigung zwischen den USA und Iran schwanden; später am Tag gaben die Renditen wieder nach. Zehnjährige Treasuries rentierten an diesem Datum nahe 4,71 %, wobei 5 % weithin als jene Marke gilt, die eine offizielle Reaktion auslösen würde. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreichte den höchsten Stand seit 2011, jene französischer Papiere den höchsten seit 2008, und die britischen dreissigjährigen Sätze näherten sich den Höchstständen vom Mai 2026, die ihrerseits die höchsten seit 1998 waren. In Japan kletterten die zehnjährigen Renditen auf ein Dreissigjahreshoch, weil am Markt damit gerechnet wird, dass die Bank of Japan bereits im September 2026 handeln könnte; dreissigjährige Papiere rentierten knapp über 4 %, ein Niveau, das japanisches Kapital heimholt und eine traditionelle Nachfragequelle für amerikanische Staatsanleihen versiegen lässt. Die Federal Reserve Bank of New York bezifferte die Laufzeitprämie für zehn Jahre auf rund 80 Basispunkte, nahe einem Zwölfjahreshoch. Analysten führen die Bewegung auf nicht tragfähige Schuldenpfade zurück, wobei sich die US-Bundesschuld 40 Billionen Dollar nähert, ferner auf die hohe Verschuldung von Technologiekonzernen zur Finanzierung der KI-Infrastruktur sowie auf die geringere Klarheit der US-Notenbank Fed unter Kevin Warsh. Die Aktienmärkte gaben im Gleichschritt nach.
Quelle: Global bond markets put governments on notice over fiscal, inflation risks, Reuters, 18. August 2026
Die US-Bundesschuld übersteigt 40 Billionen Dollar, und die Märkte verlangen dafür einen Preis
Die US-Bundesschuld hat in der Woche bis zum 20. August 2026 die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten, und die Finanzmärkte begannen, die Verschiebung zu registrieren. Die Renditen langlaufender amerikanischer Staatsanleihen stiegen im August 2026 auf den höchsten Stand seit 2007, weil die Anleger eine höhere Risikoprämie für Zweifel an der Tragfähigkeit der amerikanischen Staatsfinanzen verlangten. Gemessen an der Wirtschaftsleistung ist die Verschlechterung offensichtlich: Bis 1990 lag die Bundesschuld unter der Hälfte des Bruttoinlandprodukts, 2026 übertraf sie 120 %, beschleunigt sowohl nach der globalen Finanzkrise als auch nach der Pandemie. Das Bundesdefizit erreichte 2025 1,8 Billionen Dollar oder 5,9 % des Bruttoinlandprodukts, ein Mehrfaches jener Schwelle, welche die Europäische Union ausserhalb einer Krise als vertretbar erachtet. Das Congressional Budget Office rechnet mit einer weiteren Verschlechterung und verweist auf die Alterung der Bevölkerung, gedämpfte Wachstumserwartungen und das 2025 verabschiedete Steuergesetz. Der Engpass sind die Zinskosten: Der Schuldendienst bindet rund 13 % der Bundesausgaben, mehr als der Verteidigungshaushalt, und entspricht etwa 3 % des Bruttoinlandprodukts, nachdem er seit dem Ende der Tiefzinsära durch die US-Notenbank Fed im Jahr 2022 stark gestiegen ist. Weil das US-Finanzministerium auslaufende Schulden über nahezu tägliche Auktionen praktisch fortlaufend refinanziert, schlagen höhere Marktzinsen rasch durch. Getragen wird das Arrangement von der Nachfrage: Der Treasury-Markt bleibt der tiefste der Welt, und 2026 entfallen auf den Dollar über 57 % der weltweiten Währungsreserven gegenüber 20 % auf den Euro; an 88 % aller Devisentransaktionen ist er beteiligt.
Quelle: Amerikas Schuldenberg hat die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten, Neue Zürcher Zeitung, 20. August 2026
Kanada stellt sich Washington entgegen, wo sich die Schweiz herausverhandelt hat
Die Handelsgespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada sind Ende August 2026 gescheitert; amerikanische Zölle von 50 % auf eine Reihe kanadischer Güter traten am Wochenende des 22. und 23. August in Kraft. Die betroffenen Ausfuhren, darunter Möbel, Wein und Eishockeyausrüstung, haben einen Wert von rund 20 Milliarden Dollar. Premierminister Mark Carney antwortete mit Gegenmassnahmen per 8. September 2026, die amerikanische Milchprodukte, Stahl, Landmaschinen und Papier treffen, und bezeichnete das amerikanische Vorgehen als Angriff in einem Handelskrieg. Die Zölle hätten ursprünglich am 19. August in Kraft treten sollen, bevor sie kurz aufgeschoben wurden; Präsident Trump hatte am 18. August signalisiert, eine Einigung stehe kurz bevor. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer machte spät vorgebrachte kanadische Forderungen zu den Zöllen auf schwere Lastwagen dafür verantwortlich; Ottawa wies diese Darstellung zurück. Carneys Entscheid, den Verhandlungstisch zu verlassen, ist unter den amerikanischen Verbündeten ungewöhnlich und geniesst nach Jahren der Reibereien breite Unterstützung im Inland, auch weil aus Washington wiederholt angeregt worden war, Kanada solle ein US-Gliedstaat werden. Der Kontrast zur Schweiz ist scharf. Konfrontiert mit einem im April 2025 angekündigten Zoll von 31 %, der im August 2025 auf 39 % erhöht wurde, verzichtete Bern auf Vergeltung, suchte die Verhandlung und verband Zollzugeständnisse und zollfreie Agrarkontingente mit Zusagen der Privatwirtschaft über 200 Milliarden Dollar an US-Investitionen bis 2028, ein Vorgehen, das im Inland kritisiert wurde, aber vergleichsweise rasch tiefere Abgaben sicherte. Kanadas weit engere Verflechtung mit der amerikanischen Wirtschaft erhöht die Kosten der Konfrontation beträchtlich.
Quelle: Es ist ein Angriff in einem Handelskrieg – Kanadas Premierminister Carney trotzt US-Präsident Trump, Neue Zürcher Zeitung, 23. August 2026
Druckenmiller bricht mit Bessent über Washingtons Versuch, die Langfristzinsen zu deckeln
Stanley Druckenmiller, der erfahrene Hedgefonds-Manager, der sowohl US-Finanzminister Scott Bessent als auch Fed-Chef Kevin Warsh gefördert hat, ist im August 2026 in einem Gastbeitrag für das Wall Street Journal öffentlich mit seinem einstigen Schützling gebrochen. Bessent hatte eine kräftige Ausweitung der Rückkäufe langlaufender amerikanischer Staatsanleihen angekündigt, finanziert über höhere Emissionen am kurzen Ende, um den Anstieg der Finanzierungskosten zu stoppen: Die dreissigjährigen Renditen kletterten im August 2026 kurzzeitig über 5,3 % und damit auf den höchsten Stand seit 2007, während die zehnjährigen auf 4,7 % stiegen. Druckenmiller hielt dagegen, dass Regierungen, die ein Preisniveau gegen die Fundamentaldaten verteidigen wollen, am Ende scheitern, eine Lektion, die er 1992 gewinnbringend an der Seite von George Soros lernte, als die Bank of England ihre Wechselkursbindung aufgab, unterstützt von einem jungen Bessent. Bei einer Teuerung von 3 bis 4 %, einem Bundesdefizit von über 6 % des Bruttoinlandprodukts und jährlichen Zinskosten von mehr als einer Billion Dollar seien die heutigen Renditen nicht überhöht; jeder Basispunkt künstlich gedrückter Rendite subventioniere weiteren fiskalischen Aufschub. Zugespitzt wird der Streit durch die Haltung der US-Notenbank Fed selbst: Warsh erklärte den Märkten im Juni 2026, die Steuerung der Langfristzinsen sei nicht die Kernaufgabe der Notenbank, und stellte die Veröffentlichung eines Zinspfads ein. Nach der Ankündigung der Rückkäufe schwächte sich der Dollar ab, und der Goldpreis stieg. Japans jahrzehntelange Renditeunterdrückung und die Halbierung des Yens gegenüber dem Dollar seit 2011 stehen als mahnende Parallele.
Die Einschätzung von La Côte Invest: Wo Finanzministerium und Notenbank widersprüchliche Signale senden, vollzieht sich die Anpassung erfahrungsgemäss in der Währung und nicht in der Anleihe. Portfolios, die in einer einzigen Reservewährung verankert sind, sollten diesen Kanal ausdrücklich berücksichtigen.
Quelle: In den USA eskaliert der Konflikt zwischen dem Finanzminister und dem Notenbankchef, Neue Zürcher Zeitung, 26. August 2026
Washington sichert sich venezolanisches Öl, doch die Fässer lassen auf sich warten
Die Vereinigten Staaten und Venezuela haben ein weitreichendes Ölabkommen vereinbart, das am 29. August 2026 bekanntgegeben wurde und amerikanischen Interessen Zugang zu mehr als 65 Milliarden Fass nachgewiesener Reserven verschafft, rund einem Fünftel der geschätzten Vorkommen des Landes. Präsident Trump bezeichnete es als das grösste je abgeschlossene Ölgeschäft und versprach den amerikanischen Autofahrern spürbar billigeren Treibstoff. Veröffentlicht wurden bislang kaum Einzelheiten: An der Partnerschaft sind nicht genannte private Unternehmen beteiligt, und unbestätigte Berichte sprechen von einer Konzession über hundert Jahre. Die Verträge über die Explorations- und Förderrechte sollten innert Tagen unterzeichnet werden.
Das Abkommen folgt auf die amerikanische Militärintervention von Anfang 2026, die Nicolás Maduro stürzte und in Haft brachte. Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez begrüsste es und verwies auf 17 zu erschliessende Felder sowie auf erwartete Steuereinnahmen von 209 Milliarden Dollar; Aussenminister Marco Rubio sprach von nahezu 100 Milliarden Dollar an privaten Investitionen und Tausenden von Stellen. Skepsis ist angebracht. Venezuelas 303 Milliarden Fass bestehen überwiegend aus Schweröl, dessen Förderung und Verarbeitung spezialisierte Anlagen erfordert, die amerikanischen Raffinerien laufen bereits nahe an der Kapazitätsgrenze, und die verfassungsmässige Grundlage solcher Konzessionen ist ungeprüft. Seit Maduros Festnahme hat sich kein amerikanisches Unternehmen zu einer grösseren Neuinvestition verpflichtet, und die venezolanische Opposition betrachtet das Abkommen als Enteignung. Washingtons unmittelbareres Motiv ist der Wiederaufbau der strategischen Erdölreserven, die Ende August 2026 auf dem tiefsten Stand seit 44 Jahren lagen.
Quelle: Venezuela verfügt über die grössten Ölreserven der Welt. Nun sichern sich die USA einen grossen Teil davon, NZZ, 29. August 2026
Nvidia übertrifft erneut hohe Erwartungen, während die KI-Investitionen anziehen
Nvidias Zahlen zum zweiten Quartal, veröffentlicht nach US-Börsenschluss am 26. August 2026, übertrafen den Analystenkonsens, und das Unternehmen erhöhte seine Prognose für das Folgequartal. Der Umsatz im Rechenzentrumsgeschäft erreichte 89 Milliarden Dollar und damit mehr als das Doppelte des Vorjahreswerts; für das dritte Quartal stellt das Management einen Konzernumsatz von rund 108 Milliarden Dollar in Aussicht. Die erste Marktreaktion fiel verhalten aus, die Aktie gab nach und tendierte in den ersten 40 Minuten des nachbörslichen Handels seitwärts, bevor sie während der Telefonkonferenz ins Plus drehte, als Konzernchef Jensen Huang für das Geschäftsjahr 2028 ein Umsatzwachstum von 70 % in Aussicht stellte. Die Titel schlossen den erweiterten Handel rund 4 % höher, bei einem Volumen von über 50 Millionen Stück. Aussagekräftiger ist die Grössenordnung der zugrunde liegenden Ausgaben: Die grossen Technologiekonzerne sind auf Kurs, 2026 über 730 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur einzusetzen, nach rund 400 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Nvidias eigener Aktienkurs hinkt diesem Thema hinterher: Er legte zwischen Januar und Ende August 2026 um mehr als 12 % zu, während der Philadelphia SE Semiconductor Index im gleichen Zeitraum über 60 % gewann. Das Unbehagen der Anleger richtet sich auf zirkuläre Finanzierungskonstrukte, bei denen Lieferanten von KI-Ausrüstung zugleich ihre Kunden finanzieren, eine Struktur, die nach Ansicht von Skeptikern die Nachfrage schönen kann. Nvidia bezifferte das maximale Bruttoengagement aus seinen Garantien für Grundstücke, Strom und Rohbauten auf 3,5 Milliarden Dollar, wenig im Verhältnis zum Quartalsumsatz.
Die Einschätzung von La Côte Invest: Die Haltbarkeit des KI-Trades hängt weniger von der Chipnachfrage ab als davon, wie diese Nachfrage finanziert wird. Anleger tun gut daran, über die Schlagzeilen der übertroffenen Erwartungen hinaus auf die bilanziellen Verflechtungen zwischen Anbietern und Käufern zu blicken.
Quelle: Nvidia stock jumps after early dip following results; AI fever is unabated, Reuters, 26. August 2026
Der stille Statistiker, der das Vertrauen in Amerikas Wirtschaftsdaten wiederherstellen soll
Der US-Senat hat Brett Matsumoto Anfang August 2026 für eine vierjährige Amtszeit an der Spitze des Bureau of Labor Statistics bestätigt. Die Beschäftigungs-, Lohn- und Inflationsdaten der Behörde fliessen unmittelbar in die Entscheide der US-Notenbank Fed ein und bewegen Aktien-, Anleihen- und Devisenmärkte weltweit; zugleich ist sie zu einer der politisch exponiertesten Institutionen Washingtons geworden. Seine Vorgängerin Erika McEntarfer war von Präsident Trump nach einem schwachen Arbeitsmarktbericht entlassen worden, begleitet von unbelegten Behauptungen, die Zahlen seien manipuliert worden, ein Schritt, der das Vertrauen in die Unabhängigkeit der amtlichen Statistik beschädigte.
Matsumoto ist ein Fachmann aus dem Apparat und kein politischer Quereinsteiger. Er promovierte 2015 an der University of North Carolina at Chapel Hill in Volkswirtschaft und trat im selben Jahr in die Preis- und Indexforschung der Behörde ein, wo er an Spitalpreisindizes und an der Frage arbeitete, wie Krankenversicherungskosten im Konsumentenpreisindex erfasst werden. Eine frühere Nomination eines Ökonomen der Heritage Foundation war am Widerstand beider Parteien gescheitert. In seiner Anhörung im Senat betonte Matsumoto, Entscheide müssten der Evidenz folgen und nicht der Politik. Neben der Glaubwürdigkeitsfrage erbt er sinkende Rücklaufquoten bei den Erhebungen, Stellenabbau, unbesetzte Kaderposten und veraltete Erhebungsmethoden; er hat auf eine stärkere Nutzung externer Quellen wie Lohnabrechnungs- und Arbeitslosenversicherungsdaten verwiesen.
Quelle: Der Mann mit dem gefährlichen Zahlenjob, Finanz und Wirtschaft, 28. August 2026
Warsh gibt sich im Kampf gegen die Teuerung entschlossen, doch die Fed wartet weiter ab
Fed-Chef Kevin Warsh erklärte am 28. August 2026 am Symposium in Jackson Hole, die Priorität der Notenbank müsse die Preisstabilität sein und nicht die Konjunktur; die Verantwortung für 65 Monate mit einer Teuerung über dem Ziel wies er unmissverständlich der Fed selbst zu. Kein einzelnes Inflationsmass sei perfekt, doch alle zeigten in dieselbe Richtung: Das von der Fed bevorzugte Mass, der Preisindex der privaten Konsumausgaben, lag im Juli 2026 bei 3,7 % gegenüber dem Vorjahr und damit deutlich über dem Ziel von 2 %.
Bislang eilt die Rhetorik dem Handeln voraus. An der vorangegangenen geldpolitischen Sitzung verzichtete Warsh auf eine Zinserhöhung, obwohl drei der zwölf Ausschussmitglieder dafür stimmten. Die Märkte werteten die Rede dennoch als Absichtserklärung: Die ING beschrieb den Ton als restriktiv, die Derivatpreise implizierten eine Wahrscheinlichkeit von rund 50 % für eine Zinserhöhung an der Sitzung vom 16. September 2026, und die Rendite zweijähriger Treasuries stieg um 0,09 Prozentpunkte auf 4,32 %. Frederik Ducrozet von Pictet urteilte, die Schwelle für eine Zinserhöhung sei gesunken; schon eine leichte Aufwärtsüberraschung bei der Teuerung genüge, um den Ausschlag zu geben. Warsh bekräftigte zudem seine Absicht, die Forward Guidance abzuschaffen, die er als Erbe der Krise von 2008/09 betrachtet und die einen Spiegelkabinett-Effekt zwischen Märkten und Geldpolitik riskiere.
Quelle: Der Fed-Chef Kevin Warsh gibt einmal mehr den Kämpfer gegen die Inflation, doch Zweifel an seiner Entschlossenheit bleiben, NZZ, 28. August 2026
Der Abnutzungskrieg in der Ukraine verschärft sich, während die Diplomatie stockt und russische Raffinerien brennen
Der Krieg in der Ukraine hat sich im Verlauf des August 2026 zu einem Abnutzungskrieg verfestigt. Die russischen Streitkräfte griffen ukrainische Städte in grossem Stil an; allein in der letzten Woche des Monats wurden nahezu 2000 Drohnen, 1600 Gleitbomben und 31 Raketen eingesetzt. Ein Angriff auf ein Munitionsdepot bei Kiew forderte mindestens 37 Todesopfer. Die Ukraine antwortete mit Tiefschlägen auf russisches Gebiet, traf die Raffinerien Kirishi und Perm sowie mehrere Luftwaffenstützpunkte, und Moskau verlängerte sein Ausfuhrverbot für Diesel bis zum 30. September 2026.
Auf der diplomatischen Ebene gab es keine Fortschritte. Präsident Zelensky deutete an, es bestehe ein gemeinsames amerikanisch-europäisches Rahmenkonzept, aufgebaut auf einer Waffenruhe, einer freien Wirtschaftszone und einem Truppenabzug; ein geplanter Moskau-Besuch von Steve Witkoff und Jared Kushner wurde jedoch verschoben, und Vizeaussenminister Sergei Ryabkov bot lediglich an, Vorschläge anzuhören, die mit den bestehenden Zielen Russlands vereinbar seien. Die amerikanische Aufmerksamkeit blieb auf Iran gerichtet. Zelensky warnte, Russland könne nach den Duma-Wahlen im September 2026 weitere 300'000 Mann mobilisieren.
Die Einschätzung von La Côte Invest: Die wiederholten Schäden an den russischen Raffineriekapazitäten und die Ausfuhrbeschränkungen machen für Portfolios die Margen auf Erdölprodukte zur empfindlicheren Grösse als den Rohölpreis. Solange der diplomatische Kanal blockiert bleibt, hängen europäische Energie- und Rüstungswerte am Tempo der Abnutzung und nicht an einer Verhandlungslösung.
Quelle: Russia–Ukraine War – Update, interne Notiz von La Côte Invest, 31. August 2026
Im Konflikt zwischen den USA und Iran ersetzen Sanktionen die Luftschläge, doch Hormus bleibt Geisel
Der August 2026 begann mit einem von den USA angeordneten Stopp der Luftschläge, den die Verbündeten am Golf verlangt hatten und der den grössten Teil des Monats hielt. Washington verlagerte den Druck auf wirtschaftliche Instrumente: Am 24. August 2026 stellte Finanzminister Scott Bessent die Operation Economic Outcast vor, ein Paket sekundärer Sanktionen, das Irans digitale Vermögenswerte, den Goldhandel, die Luftfahrt, die Technologie und die Schifffahrt erfasst. Analysten zeigten sich unbeeindruckt und beurteilten die Massnahmen als weitgehend symbolisch, solange chinesische Banken, die iranische Zahlungsströme abwickeln, unangetastet bleiben.
Für die Schifffahrt gab es eine teilweise Entspannung, als Oman am 26. August 2026 einen befristeten Transitkorridor durch die Strasse von Hormus vermittelte; Teheran wollte die Wasserstrasse allerdings nicht als wiedereröffnet gelten lassen, solange die Seeblockade und die Ölsanktionen in Kraft bleiben. Der militärische Waffenstillstand überdauerte den Monat nicht: Am 30. August 2026 griffen amerikanische Streitkräfte Abschussvorrichtungen der Revolutionsgarden auf der Insel Larak an, und Iran schlug gegen amerikanische Luftwaffenstützpunkte in Jordanien zurück. Ein halbes Jahr nach Ausbruch des Konflikts ist keine Verhandlungslösung in Sicht.
Quelle: US–Iran War – Update, interne Notiz von La Côte Invest, 31. August 2026
Die Einschätzung von La Côte Invest — August 2026
Drei Strömungen prägten den August 2026, und es sind weitgehend Facetten derselben Bewegung. Die Märkte für Staatsanleihen bewerten die Staatsverschuldung nicht mehr ausgehend vom Leitzins, sondern ausgehend von der fiskalischen Glaubwürdigkeit: Die US-Bundesschuld überschritt 40 Billionen Dollar, die Renditen dreissigjähriger Papiere erreichten Niveaus wie zuletzt 2007, und dieselbe Neubewertung zeigte sich in Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Japan.
Was daraus folgt, ist weniger geläufig. Ein Staat kann Anleihenrenditen, Währung und Inflation nicht gleichzeitig tief halten. Wer den öffentlichen Finanzen misstraut, drückt dies über einen dieser drei Kanäle aus; wird einer verschlossen, verlagert sich der Druck auf einen anderen. Das US-Finanzministerium kauft langlaufende Anleihen zurück, gerade um steigende Renditen zu verhindern, während sich die Fed vom langen Ende zurückgezogen hat. Offen bleibt die Währung — weshalb der Dollar nachgab und Gold anzog, als das Rückkaufprogramm angekündigt wurde. Japan liefert die lange Version derselben Geschichte: Die Renditen wurden über Jahre tief gehalten, und stattdessen verlor der Yen rund die Hälfte seines Werts.
Für Portfolios ist die Folge praktischer Natur. Duration lässt sich nicht länger als Absicherung gegen Aktienrisiken voraussetzen, da beide auf dasselbe fiskalische Signal reagieren. Wer in Franken oder Euro anlegt, kann mit der Richtung der US-Zinsen vollkommen richtig liegen und dennoch Geld verlieren, weil das Risiko in den Wechselkurs abgewandert ist. Und da sich der amerikanische Konsum auf eine marktnahe Minderheit konzentriert, bleibt ein Kurseinbruch nicht mehr im Portfolio: Er wird zum Wachstumsschock. Diese Engagements sollten als eine einzige Position dimensioniert werden, nicht als drei.