LCI Monthly – Was den Oktober 2026 prägte

Aktien auf Rekord, Anleiherenditen auf dem Stand von 2002: Welcher Markt hat recht?

Aktien- und Anleihemärkte sendeten Anfang Oktober 2026 widersprüchliche Signale. Der Nasdaq 100 und der S&P 500 schlossen am 6. Oktober auf Rekordhöhen, getragen von Nvidia und Microsoft, während Dow Jones, SMI und DAX nahe ihren Höchstständen notierten. Gleichzeitig lag die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei 5,3%, dem höchsten Stand seit 2002, und auch die Renditen zehnjähriger französischer Anleihen kehrten auf das Niveau von 2002 zurück.

Der Ökonom Ed Yardeni führt den Renditeanstieg auf einen höheren neutralen Zins, den Energiepreisschock, die Auflösung von Dollar-Yen-Carry-Positionen und Ängste vor einer Schuldenkrise zurück, ohne dass sich das Gewicht der einzelnen Faktoren isolieren liesse. Kräftige Renditeanstiege gingen oft Rückschlägen am Aktienmarkt voraus. 1987 und 1999 stiegen die Anleiherenditen in Richtung 10% beziehungsweise 7%, während die Gewinnrenditen der Aktien schrumpften – der Boden für den Crash vom Oktober 1987 und das Platzen der Technologieblase im Jahr 2000. 1994 dagegen liess solides Gewinnwachstum die Aktien seitwärts tendieren, obwohl die US-Renditen von rund 6% auf 8% sprangen. Tom Stevenson von Fidelity sieht Gefahr, wenn die Renditen schneller steigen, als die Gewinne es rechtfertigen, oder über höhere Finanzierungskosten die Margen anzugreifen beginnen – eine Schwelle, die Anfang Oktober noch nicht überschritten war. In einer Umfrage der Deutschen Bank erwarteten die meisten Investoren weiter steigende US-Renditen, und mehr als ein Fünftel sah die zehnjährige Rendite innerhalb von zwölf Monaten über 6%.

Quelle: Machtkampf an den Finanzmärkten – Die steigenden Anleiherenditen könnten die Aktienkurse bald in die Knie zwingen, NZZ, 7. Oktober 2026

Benzinpreisschub treibt die US-Inflation auf 3,7% und belebt die Debatte über eine Fed-Zinserhöhung

Die US-Konsumentenpreise stiegen im September 2026 um 0,6%, womit die Jahresteuerung laut den am 14. Oktober veröffentlichten Daten von 3,4% im August auf 3,7% zulegte. Ein Anstieg der Benzinpreise um 9,1%, verbunden mit dem Krieg der USA und Israels gegen Iran, erklärte mehr als die Hälfte des Monatsanstiegs, und Diesel und andere Treibstoffe lagen fast 61% über dem Vorjahresniveau. Die Kerninflation stieg um 0,3% und damit stärker als die erwarteten 0,2%, die Kernrate kletterte auf 2,6%; Wohnkosten, Flugpreise, Gebrauchtwagen und Computerhardware – Letztere ein Spiegel der KI-Investitionen – trugen dazu bei, während höhere Spielzeugpreise auf eine verbleibende Überwälzung der Zölle hindeuteten.

Die durchschnittlichen Stundenlöhne lagen 0,7% unter dem Vorjahr, was den Druck auf einkommensschwache Haushalte in einer von Ökonomen als K-förmig beschriebenen Wirtschaft verstärkte, drei Wochen vor den Zwischenwahlen vom 3. November. Die Leistungen der Sozialversicherung steigen 2027 um 3,6%. Am 14. Oktober gaben die US-Aktien nach, während die Renditen der Treasuries und der Dollar anzogen. Nach der Publikation bezifferte das CME-FedWatch-Tool die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung an der Fed-Sitzung vom 27. und 28. Oktober auf rund 37%, nach 22% zuvor, nachdem die Fed die Zinsen im September 2026 um 25 Basispunkte auf 3,75%–4,00% angehoben hatte. Die meisten Ökonomen erwarteten dennoch eine Pause im Oktober und eine weitere Erhöhung im Dezember.

Quelle: US inflation heats up in September; Fed rate hike this month back on table, Reuters, 14. Oktober 2026

EU-Gipfel ohne Fortschritt bei Energiepreisen, China-Handel und Budget

Der EU-Gipfel vom 15. Oktober 2026 endete ohne Beschlüsse zu seinen drei wichtigsten Wirtschaftsdossiers: den Energiekosten, dem Budget 2028–2034 und dem Handelsdefizit mit China. Die Gaspreise waren seit Ausbruch des Iran-Kriegs im Frühjahr 2026 um rund 180% gestiegen, die Dieselpreise hatten sich verdoppelt, doch der Kommission fehlen die Instrumente zur Hilfe, und sie wehrt sich gegen Forderungen nach einer Übergewinnsteuer für Energiekonzerne. Mehrere Regierungen senken die Energiesteuern zu hohen fiskalischen Kosten, gerade als die Finanzierungskosten gestiegen sind; Griechenland und Italien drängen auf eine Lockerung der EU-Fiskalregeln, während die Kommission die Mitgliedstaaten ermahnt hat, ihre Finanzierungskosten am Anleihemarkt im Auge zu behalten. Die osteuropäischen Staaten erreichten keine Änderungen am Emissionshandelssystem, das die Kommission, Deutschland und die nordischen Länder verteidigen.

Die Budgetverhandlungen bleiben blockiert. Bundeskanzler Friedrich Merz und rund sechs weitere Regierungen wollen ein kleineres Budget, während das hochverschuldete Frankreich mehr Ausgaben verlangt. Rund 30% der EU-Mittel fliessen noch immer in die Landwirtschaft, was wenig Spielraum für Verteidigung oder Technologie lässt. Im China-Dossier bot Peking Anfang Oktober an, die Exporte von Hybrid- und Plug-in-Hybridfahrzeugen nach Europa 2027 auf 350'000 zu begrenzen, nach knapp 800'000 erwarteten im Jahr 2026; Fahrzeuge und Teile machen jedoch nur 5% der chinesischen Exporte in die EU aus. Ende November 2026 wird ein ausserordentlicher Gipfel mit Schwerpunkt Budget erwartet.

Quelle: Blockade statt Stärke – Der EU-Gipfel zeigt, wie gespalten die Europäer bei wichtigen Fragen sind, NZZ, 15. Oktober 2026

Indiens Wachstumsgeschichte trifft auf teures Öl, höhere Zinsen und Kapitalabflüsse

Indiens Wirtschaft wuchs im Quartal April–Juni 2026 um 7,8% und damit so schnell wie kaum eine andere weltweit, doch der Aktienmarkt stand 2026 anhaltend unter Druck. Die starke Abhängigkeit von importiertem Öl und Gas, das seit dem Iran-Krieg knapp und teuer ist, verteuerte Transport und Produktion und belastete die Haushaltsbudgets, während sich die Rupie nur leicht von ihrem Rekordtief gegenüber dem Dollar erholte. Schwellenländerinvestoren schichteten nach Südkorea und Taiwan mit ihren KI-Lieferketten um, und ausländische Anleger zogen zwischen Januar und Mitte Oktober mehr als 3000 Mrd. Rupien (rund 26 Mrd. Fr.) aus indischen Aktien ab. Anfang Oktober 2026 erhöhte die Reserve Bank of India ihren Leitzins erstmals seit fast vier Jahren, von 5,25% auf 5,5%, wobei die Märkte weitere Schritte erwarten.

In der Folge sank die Bewertung des Nifty 50 unter ihren langfristigen Durchschnitt. Indosuez warnt, dass ein Ölpreis von dauerhaft über 100 $ je Fass die Unternehmensgewinne um 10 bis 15% unter den Konsens drücken könnte, während das Sensex-Kursziel von Morgan Stanley bis Mitte 2027 ein Plus von über 24% implizierte, da die Bank den Rückgang als zyklisch einstuft. Wichtigste Stütze bleiben die inländischen Sparer: Die monatlichen Zuflüsse über systematische Sparpläne erreichten im September 2026 einen Rekord, und in jenem Monat gingen über 30 Unternehmen an die Börse, angeführt von der National Stock Exchange selbst. Der IT-Outsourcing-Sektor steht durch KI-gestützte Automatisierung unter strukturellem Druck, während digitale Infrastruktur, Verteidigung, Elektronik, der Ausbau der Stromnetze und die «China+1»-Reindustrialisierung robustere Aussichten bieten.

Quelle: Indiens Wachstumsversprechen wird auf die Probe gestellt, Finanz und Wirtschaft (FuW), 16. Oktober 2026

Schulden, Blockade und Strassenkrawalle treiben Frankreichs Risikoaufschlag über jenen Italiens

Frankreich wurde im Oktober 2026 zum grössten Sorgenkind am Anleihemarkt der Euro-Zone, da fiskalische Anspannung und dann gewalttätige Unruhen das Vertrauen untergruben. Erster Auslöser war ein am 13. Oktober publik gewordener Plan, 2027 ein Rekordvolumen an Staatsanleihen zu emittieren. Am 20. Oktober näherte sich die Rendite zehnjähriger OAT der Marke von 5% und damit dem höchsten Stand seit 2002 – obwohl Ausgangssperren in Paris, Lyon und weiteren Städten die Krawalle bereits beruhigt hatten. Der Aufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen weitete sich von rund 1,4 Prozentpunkten Mitte Oktober auf über 1,5 aus, den höchsten Wert seit der Euro-Schuldenkrise und mehr als bei Italien (rund 1,2) und Griechenland (rund 1,0). In den Wochen bis zum 20. Oktober verlor der Euro über 4% gegenüber dem Dollar und mehr als 3% gegenüber dem Franken.

Die Staatsschulden erreichten den Rekord von 3,6 Bio. €, knapp 120% des BIP gegenüber 98% im Jahr 2019, und ING rechnet für 2027 mit 122%. Das Defizit liegt das vierte Jahr in Folge über 5%, Frankreich hat seit 1974 keinen Haushaltsüberschuss mehr erzielt und weist anders als Italien Primärdefizite aus; laut UBS halten Ausländer 54% der Schulden. Um das Defizit 2027 auf 5% zu begrenzen, wären Einsparungen von rund 43 Mrd. € nötig, doch der Minderheitsregierung von Premierminister Sébastien Lecornu fehlt eine Mehrheit, die Opposition hat vor der Präsidentschaftswahl im April 2027 wenig Anreiz, Sparmassnahmen mitzutragen, und Misstrauensanträge haben seit 2024 bereits zwei Regierungen gestürzt. DWS sieht eine begrenzte Ansteckungsgefahr, da Italien, Spanien und Portugal Leistungsbilanzüberschüsse aufweisen. Ein Auffangnetz der EZB wird weithin vorausgesetzt, dürfte aber deutlich höhere Aufschläge und eine glaubwürdige Konsolidierung voraussetzen, und eine Inflation von 3,8% in der Euro-Zone im Oktober 2026 erschwert Anleihekäufe.

Die Einschätzung von La Côte Invest: Frankreichs Herausforderung verlagert sich von der Haushaltsarithmetik zur politischen Regierbarkeit; bis ein glaubwürdiger Budgetpfad sichtbar wird, bleiben eine Präferenz für Schweizer Emittenten und solche aus dem Kern der Euro-Zone sowie Zurückhaltung beim Euro-Engagement in Franken-Portfolios angebracht.

Quelle: Frankreich wird zum wirtschaftlichen und politischen Krisenherd: Droht anderen Ländern der Euro-Zone eine Ansteckung?, NZZ, 13. Oktober 2026; Strassenschlachten und rekordhohe Schulden: Die Märkte verlieren das Vertrauen in Frankreich, NZZ, 20. Oktober 2026

Indonesien kämpft nach der MSCI-Abstufungsdrohung um das Vertrauen der Investoren

Der Vorschlag von MSCI vom 16. Oktober 2026, Indonesien vom Schwellenland zum «Standalone»-Markt herabzustufen – eine Stufe unter selbst den Frontier-Märkten –, löste in Jakarta den heftigsten Ausverkauf seit fast drei Jahrzehnten aus. Der Jakarta Composite Index fiel am 16. Oktober um 11,6%, der schlechteste Handelstag seit Januar 1998, und über den 16. und 19. Oktober um 14,8%, wobei ein Rekordbetrag von 82 Mrd. $ an Börsenwert vernichtet wurde und der Index ein Sechsjahrestief erreichte. Per 20. Oktober lag der Index 2026 rund 40% im Minus und war damit der schwächste grosse Markt der Welt. MSCI verwies auf anhaltende Intransparenz bei den Besitzverhältnissen und koordinierten Handel; der Indexanbieter konsultiert die Investoren bis April 2027 und will um Mitte 2027 umklassifizieren, sofern sich die Governance nicht deutlich verbessert.

Die Behörden reagierten rasch. Die Aufsicht OJK büsste Parteien, die mit mutmasslicher Manipulation bei drei kotierten Unternehmen in Verbindung stehen, die Börse halbierte den maximal zulässigen Tagesverlust von 15% auf 7%, und nach Gesprächen mit MSCI am 19. Oktober beschloss sie, Titel mit stark konzentriertem Aktionariat – rund 18% des Indexgewichts – aus dem Composite Index zu entfernen. Der Index erholte sich am 20. Oktober um 5,3%. Die Schätzungen für erzwungene Verkäufe passiver Fonds reichen von 4 Mrd. $ (UBS) bis 5,6 Mrd. $ (Goldman Sachs), wobei UBS bis zu 15 Mrd. $ zusätzlich von aktiven Fonds erwartet; ausländische Anleger hatten 2026 bereits knapp 5 Mrd. $ abgezogen. Die Rupiah notierte am 20. Oktober bei rund 17'980 je Dollar, 7% tiefer als zu Jahresbeginn und nahe ihrem Rekordtief vom Juni, vor dem Zinsentscheid der Bank Indonesia vom 21. Oktober. Fitch, die den Ausblick im März auf negativ gesenkt hatte, verwies auf höhere Finanzierungskosten und dünnere externe Puffer.

Die Einschätzung von La Côte Invest: Regeländerungen und eine eintägige Erholung stellen das Vertrauen nicht von selbst wieder her; solange sich die Durchsetzung nicht als nachhaltig erweist, bleibt Indonesien ein Governance-Risiko, das für ein breit diversifiziertes Schwellenländerengagement und für aktive Manager spricht, die Streubesitz und Aktionärskonzentration genau prüfen.

Quelle: Indonesia gets 'wake-up call' as MSCI prepares to expel it from global indexes, Reuters, 15. Oktober 2026; Indonesia battles to stabilise market after MSCI expulsion threat, Ankur Banerjee und Stefanno Sulaiman, Reuters, 20. Oktober 2026

Anthropics Börsenprospekt zeigt 14-fach höheren Umsatz und gewaltige Wetten auf Rechenleistung

Anthropic, der Entwickler der KI-Modelle Claude, veröffentlichte am 26. Oktober 2026 seinen Antrag auf einen Börsengang in den USA und strebt eine Kotierung an der Nasdaq unter dem Kürzel ANT an, die bis zum 25. November 2026 erfolgen könnte. Die geprüften Zahlen weisen für das erste Halbjahr 2026 einen Umsatz von 13,6 Mrd. $ aus, rund vierzehnmal so viel wie die 1,2 Mrd. $ im ersten Halbjahr 2025; die fünf grössten Kunden steuern etwa ein Viertel des Umsatzes bei, meist auf Basis kurzfristiger Verträge.

Der ausgewiesene Halbjahresverlust von fast 81 Mrd. $ ist grösstenteils buchhalterisch bedingt: Wandelanleihen, die vor allem Amazon hält, werden als Verbindlichkeiten geführt, die mit der Unternehmensbewertung wachsen. Der Betriebsverlust verringerte sich auf 693 Mio. $ von 2,1 Mrd. $ ein Jahr zuvor, während Rechenleistung und die zugehörige Infrastruktur fast 9 Mrd. $ beanspruchten. Anthropic hat feste Zusagen von rund 630 Mrd. $ für künftige Rechenkapazität abgegeben und verhandelt über bis zu 170 Mrd. $ zusätzlich.

Die Bewertungsschätzungen der Investoren lagen am 26. Oktober 2026 bei rund 1,5 Bio. $, nach etwa 2 Bio. $ Mitte Oktober, aber weit über den 965 Mrd. $ vom Mai. Bei 2 Bio. $ würde der Börsengang den Rekord von SpaceX vom Juni 2026 übertreffen und wäre der grösste aller Zeiten. Die Governance ist ungewöhnlich: Fünf Aktienklassen sichern den sieben Mitgründern die Stimmenmehrheit, obwohl sie nach dem Börsengang nur rund 10% halten, während die grösseren Anteile von Amazon und Alphabet kein Stimmrecht haben und ein unabhängiger Trust die Mehrheit des Verwaltungsrats bestimmt.

Quelle: Starkes Wachstum und gewaltige Ausgaben bei Anthropic: Das KI-Unternehmen veröffentlicht seinen Antrag auf den Börsengang, NZZ, 26. Oktober 2026

Lula gewinnt eine vierte Amtszeit – Brasiliens Märkte fürchten fiskalische Entgleisung

Luiz Inácio Lula da Silva gewann am 25. Oktober 2026 die Stichwahl um Brasiliens Präsidentschaft und setzte sich mit über vier Millionen Stimmen Vorsprung gegen den rechten Herausforderer Flávio Bolsonaro durch, nachdem er im ersten Wahlgang am 4. Oktober noch zwei Millionen Stimmen zurückgelegen hatte – eine beispiellose Aufholjagd bei einer brasilianischen Präsidentschaftswahl. Eine höhere Beteiligung von Nichtwählern des ersten Wahlgangs und eine neu aufgestellte digitale Kampagne gaben den Ausschlag. Bolsonaro anerkannte die Niederlage nicht und kündigte rechtliche Schritte an, deren Erfolgsaussichten allerdings gering erscheinen.

Lula, der sein Amt am 5. Januar 2027 antritt, steht einem Kongress und zahlreichen Bundesstaaten gegenüber, die von der Opposition dominiert werden; diese wird über genügend Stimmen verfügen, um präsidiale Vetos zu überstimmen. Sein wirtschaftspolitisches Dilemma ist akut: Wahlversprechen für Sozialausgaben, Steuererleichterungen und Schuldenerlasse von rund 60 Mrd. $ kollidieren mit einem wachsenden Haushaltsdefizit und steigender Staatsverschuldung. Bei einem Leitzins von rund 14% schränken Zweifel an der Tragfähigkeit der Staatsfinanzen den Spielraum der Zentralbank für weitere Lockerungen ein. Die Märkte reagierten heftig: Brasiliens Aktien fielen, während der Dollar und die langfristigen Zinsen stiegen.

Quelle: Lula gewinnt zum vierten Mal die Präsidentschaftswahl in Brasilien – doch sein Gegner Bolsonaro will das Ergebnis annullieren lassen, NZZ, 26. Oktober 2026

EZB lässt die Zinsen unverändert, signalisiert aber eine Erhöhung im Dezember

Die Europäische Zentralbank beliess ihre Leitzinsen am 29. Oktober 2026 unverändert, signalisierte aber eine wahrscheinliche weitere Erhöhung an ihrer Sitzung vom 17. Dezember und verwies auf Aufwärtsrisiken für die Inflation durch einen erneuten Anstieg der Öl- und Gaspreise. Die Währungshüter diskutierten an der Oktobersitzung eine Erhöhung, entschieden sich aber, weitere Daten abzuwarten; die EZB hatte die Zinsen 2026 bereits zweimal angehoben, um zu verhindern, dass der Energieschock des Iran-Kriegs in eine dauerhafte Inflation mündet. Am selben Tag hatte Präsidentin Christine Lagarde zuvor angekündigt, vor dem Ende ihrer Amtszeit zurückzutreten.

Die höheren Finanzierungskosten am Markt erschweren den Ausblick. Interne EZB-Schätzungen beziffern die kumulierte Belastung durch den Renditeanstieg auf rund einen Prozentpunkt beim Wachstum und 0,9 Punkte bei der Inflation über 2027–28 im Vergleich zu den September-Projektionen, weshalb die Währungshüter nach Dezember eine Pause erwarteten. Frankreich zahlte Ende Oktober 2026 für zehnjährige Schulden einen Aufschlag von rund 155 Basispunkten gegenüber Deutschland, den höchsten seit Jahrzehnten. Lagarde betonte, die EZB verfüge über Instrumente gegen ungeordnete Marktbewegungen, knüpfte Unterstützung über ihr Transmissionsschutzinstrument (TPI) aber an die Einhaltung der EU-Fiskalregeln. Die meisten von Reuters befragten Ökonomen erwarteten nur noch eine oder zwei weitere Erhöhungen in diesem Zyklus.

Quelle: ECB flags December hike but sees yield rise hitting growth, Reuters, 29. Oktober 2026

Fed hält die Zinsen vor den Zwischenwahlen – zwei Mitglieder wollen eine Erhöhung

Die US-Notenbank beliess ihren Leitzins am 28. Oktober 2026 in der Spanne von 3,75%–4,00%, ein Entscheid mit 10 zu 2 Stimmen, der jeden Schritt auf die Zeit nach den Zwischenwahlen vom 3. November verschob. Gouverneurin Lisa Cook, die Präsident Trump abzusetzen versucht, und die Präsidentin der Cleveland-Fed, Beth Hammack, stimmten dagegen und votierten für eine Erhöhung um einen Viertelprozentpunkt. Das Statement stufte das Wachstum neu als kräftig ein und beurteilte die Inflation, die rund einen Prozentpunkt über dem 2%-Ziel liegt, weiterhin als erhöht.

Fed-Chef Kevin Warsh argumentierte, Produktivitätsgewinne könnten schnelleres Wachstum ohne nachfragegetriebene Inflation ermöglichen, und eine Senkung der Teuerung müsse nicht auf Kosten von Arbeitsplätzen gehen. Er verwies auf straffere Kreditbedingungen und den Kursrückgang an der Börse im Oktober als Kanäle, die die Aktivität bereits abkühlten, und bestritt jeden politischen Einfluss auf den Entscheid. Das Statement deutete dennoch eine weitere Straffung an, und mehrere Mitglieder befürchten, dass KI-bezogene Investitionen und robuster Konsum den Preisdruck verbreitern, zumal Diesel und Benzin teuer bleiben.

Per 29. Oktober 2026 preisten die Futures eine Wahrscheinlichkeit von rund 80% für eine Erhöhung an der Sitzung vom 8. und 9. Dezember ein, mit einem weiteren Schritt bis März 2027. Die Renditen längerfristiger Treasuries stiegen nach dem Entscheid weiter.

Quelle: Fed leaves rates unchanged as it awaits 'accumulation of more information', Reuters, 29. Oktober 2026

Rekordhack bei Binance über 6,3 Mrd. $ rückt das Verwahrungsrisiko bei Kryptowährungen ins Zentrum

Binance, die weltgrösste Kryptobörse, gab Ende Oktober 2026 bekannt, dass Hacker Vermögenswerte im geschätzten Wert von 6,3 Mrd. $ kompromittiert hatten – der grösste Kryptodiebstahl aller Zeiten. Rund die Hälfte konnte eingefroren werden; zum Verbleib der übrigen 3,3 Mrd. $ äusserte sich die Börse nicht, doch Mitgründerin Yi He versprach, alle Kundenverluste zu decken, und Fachleute sahen die Solvenz angesichts eines Notfallfonds von 1,2 Mrd. $ nicht unmittelbar gefährdet. Einzahlungen waren rasch wieder möglich, während Auszahlungen für 48 Stunden ausgesetzt wurden. Der Einbruch wurde auf den kompromittierten Laptop eines Software-Ingenieurs zurückgeführt, von dem aus die Angreifer auf einen Service-Container zugriffen und unrechtmässige Auszahlungen auslösten.

Blockchain-Analysten schreiben den Angriff Trader Traitor zu, einer staatlich gesteuerten nordkoreanischen Gruppe, die auch für den Diebstahl von 1,5 Mrd. $ bei Bybit im Februar 2025 verantwortlich gemacht wird. Die Stablecoin-Emittenten Tether und Circle froren rund 1,6 Mrd. $ beziehungsweise 0,8 Mrd. $ an betroffenen Vermögenswerten ein – ein Vorteil zentral verwalteter Token gegenüber Bitcoin. Bitcoin fiel um mehr als 3% auf ein Sechswochentief von rund 76'400 $, Ether sank auf ein Zweimonatstief nahe 2180 $, und der BNB-Token von Binance verlor innerhalb von 24 Stunden über 5%. Binance zählt 335 Millionen registrierte Nutzer und verwahrt geschätzte 160 Mrd. $ an Kundenvermögen.

Die Einschätzung von La Côte Invest: Für Anleger in digitalen Vermögenswerten ist die Wahl der Verwahrstelle ebenso wichtig wie die Wahl der Kryptowährung; eine segregierte Verwahrung bei einem regulierten Schweizer oder vergleichbar beaufsichtigten Institut bleibt der umsichtige Standard.

Quelle: Hacker lancieren bisher grössten Angriff auf Krypto-Börse Binance: Mehr als 6 Milliarden Dollar sind betroffen, NZZ, 30. Oktober 2026

Sorgen um KI-Ausgaben vernichten über 2 Bio. $ an Börsenwert im Nasdaq 100

Im Oktober 2026 gingen beim Nasdaq 100 über 2 Bio. $ an Börsenkapitalisierung verloren; der Index büsste zwischen dem 1. und dem 30. Oktober mehr als 5,8% ein, da die Drittquartalszahlen der grössten Technologiekonzerne die Zweifel an der Rentabilität der Investitionen in künstliche Intelligenz verschärften. Meta, Alphabet und Amazon hoben ihre Investitionsprognosen erneut an – zu einer Zeit, in der höhere Zinsen eine schuldenfinanzierte Expansion verteuern.

Alphabet verzeichnete am 29. Oktober den grössten prozentualen Tagesverlust seiner Geschichte, nach schwachen Zahlen im Suchmaschinenwerbegeschäft und einem starken Anstieg des Mittelabflusses, während Metas Plan einer Rekordkapitalaufnahme von 97,5 Mrd. $ Verwässerungsängste schürte. Microsoft und SpaceX stachen mit Ergebnissen hervor, die darauf hindeuten, dass sich die KI-Investitionen auszuzahlen beginnen; Microsoft soll zudem eine Anleiheemission über 25 Mrd. $ vorbereiten, die erste US-Emission mit Investment-Grade-Rating seit über neun Jahren. Die Sorgen griffen auf die Kreditmärkte über, wo sich die Absicherung gegen Zahlungsausfälle von KI-exponierten Emittenten verteuerte. Die zugrunde liegende Nachfrage blieb solide, mit beschleunigtem Wachstum bei Amazon Web Services und zuversichtlichen Ausblicken von Meta und Microsoft. J.P. Morgan schätzte die weltweiten KI-Investitionen auf 900 Mrd. $ für 2026 und 5,5 Bio. $ bis 2030.

Die Einschätzung von La Côte Invest: Das KI-Thema wandelt sich von einer Nachfragegeschichte zu einem Test der Kapitaleffizienz; wir bevorzugen Unternehmen, deren KI-Ausgaben aus dem operativen Cashflow finanziert und sichtbar monetarisiert werden, gegenüber solchen, die zunehmend auf die Kapitalmärkte angewiesen sind.

Quelle: Nasdaq faces $2 trillion wipeout in October as AI spending fears deepen, Reuters, 30. Oktober 2026

Frachtkosten machen den Ölschock des Iran-Kriegs zur chronischen Krise

Acht Monate nach Beginn des Iran-Kriegs hatte es der Ölmarkt mit einer anhaltenden Angebotsstörung statt mit einem vorübergehenden Schock zu tun, wobei sich die Sorte Brent Ende Oktober 2026 bei rund 110 $ je Fass hielt. Die Fracht ist zu einem bedeutenden Kostenfaktor geworden: Einen Tanker über den Pazifik zu schicken, kostete laut Bloomberg rund 60 Mio. $ gegenüber etwa 8 Mio. $ vor dem Konflikt, und der Transport eines Fasses von Afrika nach Europa kostete laut der Internationalen Energieagentur rund 22 $, mehr als das Vierfache des Vorkrisenniveaus. Umwege um die Strasse von Hormuz und das Rote Meer sowie Konvoifahrten binden weit mehr Schiffe, sodass freie Tanker so knapp sind wie ihre Ladung. In der Folge fielen die US-Rohölexporte nach Asien auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren.

Der Verbrauch blieb in vielen Industrieländern hoch, weil Freigaben strategischer Reserven und Treibstoffsubventionen die Preise unter dem Niveau hielten, das zur Dämpfung der Nachfrage nötig wäre, während die Lagerbestände stetig sanken. Eine Lieferung russischen Diesels, die die US-Treibstoffpreise senken sollte, sollte erst nach den Zwischenwahlen vom 3. November eintreffen und war zu klein, um ins Gewicht zu fallen. Manche Konsumenten passen sich an: Reine Elektroautos erreichten im September 2026 einen Rekordanteil von 36% an den Neuzulassungen in der Schweiz, mit rund 50% mehr Fahrzeugen als im September 2025 – ganz ohne Kaufprämien.

Quelle: Trotz Preishoch für Benzin und Diesel: Die Ölkrise ist noch bedrohlicher, als es an der Zapfsäule aussieht, NZZ, 31. Oktober 2026

Die Einschätzung von La Côte Invest — Oktober 2026

Im Oktober 2026 begannen die Märkte, Bilanzen statt Geschichten zu bewerten. Ein Energieschock, der weit länger anhält als in den ersten Prognosen erwartet, hielt die Inflation über den Zielwerten, trieb die Fed, die EZB und sogar die Reserve Bank of India zu weiteren Straffungen und hob die langfristigen Renditen auf Niveaus, die zuletzt 2002 erreicht wurden. Da Geld nicht mehr billig ist, begannen die Anleger zu unterscheiden. Frankreich zahlte für Kredite mehr als Italien, Brasiliens Märkte fielen nach Lulas Wiederwahl, weil Zweifel bestehen, ob sich seine Ausgabenversprechen finanzieren lassen, Indonesien wurde für intransparente Besitzverhältnisse abgestraft, und die grössten Technologiekonzerne verloren an Wert, sobald ihre KI-Ausgaben eher von den Kapitalmärkten als vom eigenen Cashflow abhingen.

Die gemeinsame Lehre lautet: Reichlich verfügbares Kapital kaschiert schwache Bilanzen nicht mehr, ob bei Staaten oder Unternehmen. Für Portfolios ziehen wir drei Schlüsse. Höhere Renditen entschädigen Anleger wieder für das Halten hochwertiger Anleihen, sodass Obligationen einen spürbaren Teil der Rendite beisteuern können – bei moderater Duration, solange die Inflation hartnäckig bleibt. Bei Aktien sind Unternehmen zu bevorzugen, die ihr Wachstum aus eigenen Gewinnen finanzieren. Und für Anleger mit Referenzwährung Franken bieten Schweizer und Kern-Europa-Emittenten Stabilität in einer Zeit, in der die Märkte gesunde Staatsfinanzen höher gewichten als Wachstumsversprechen.

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LCI Monatlicher Strategiebericht – September 2026